Kreisstadt-Reise mit Hotelzimmer

10.01.2017 | Angermünde/Schwedt

Schon in seiner Neujahrsrede beim SPD-Unterbezirksempfang ließ Frank Bretsch durchblicken, dass die Fahrplanänderungen nicht gerade zu den Dingen gehören würden, die zur Erfolgsbilanz des vergangenen Jahres gehören. Auch beim Sonder-Kreisausschuss gleich zu Beginn des neuen Jahres machte er deutlich, dass die Abgeordneten nicht einzelne Buslinien diskutieren könnten. Dafür habe man Fachleute im Verkehrsunternehmen. Die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft (UVG) müsse sich ernst genommen fühlen.

Doch gerade deren Kompetenz wurde durch den Kreistagsbeschluss im Vorfeld der Kilometerkürzungen eingeschränkt. Die Fraktionen hatten zunächst einen Verkehrsvertrag mit Standards beschlossen. Anschließend erhöhten sie den Zuschuss für die UVG, um das Millionendefizit nicht noch weiter anwachsen zu lassen. Gleichzeitig verordneten sie aber eine Einsparung von Fahrkilometern an, um die Kosten von 3,9 Millionen Euro jährlich nicht zu überschreiten.

Viel Handlungsspielraum blieb der UVG damit nicht. Aufsichtsratsvorsitzender und Vize-Landrat Bernd Brandenburg (SPD) ließ sich Sparvorschläge machen. Von den ursprünglichen angedachten 500 000 Kilometern blieben am Ende 299 999 auf der roten Liste.

Doch auch mit diesen Einschnitten können und wollen viele Fahrgäste nicht leben. Der Protest über die Kürzungen aus vielen Teilen der Uckermark hält an. "Ich höre Klagen aus allen Gebietskörperschaften", so CDU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Banditt. "Es geht um alle Ortschaften." Seine Fraktion forderte umgehend eine Härtefallprüfung bei den betroffenen Buslinien, was aber erwartungsgemäß nicht die Zustimmung der Mehrheitsfraktionen von SPD, Linken und FDP fand.

Neben vielen Anfragen einzelner Bürger, die häufig gar nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, hagelt es die meisten Proteste aus dem Raum Lychen. Rathaus, Tourismusverein, Pensionsbetreiber und Einwohner rückten gleich in geschlossener Front beim Kreisausschuss ein. Tenor: Das florierende Gewerbe sei ebenso in Gefahr wie die Möglichkeit älterer Leute, zum Arzt zu kommen. Beispiel: Wenn ein Lychener zu einem um 14 Uhr in Prenzlau anberaumten Kreistag fahren will, muss er sieben Stunden Zeitaufwand in Kauf nehmen. Bei einer Sitzung ab 18 Uhr muss er sich ein Hotelzimmer besorgen. Man habe schon die Bahnanbindung verloren, heißt es aus dem Lychener Rathaus. Daher sei es um so wichtiger, die Busanbindung zu behalten. Eine Touristikerin kritisierte, dass sich immer mehr Berliner Gäste und vor allem junge Familien auf den Nahverkehr verlassen würden und nun gar nicht bis zum Hotel oder wieder zurück kämen.

Doch Lychen ist nur ein Fall in der großen Uckermark. Auch aus anderen Bereichen und Orten haben sich Pendler und vor allem ältere Menschen gemeldet.

Die Kritiken seien ernst genommen worden, so Landrat Dietmar Schulze (SPD). Die Kreisverwaltung habe bereits mit Amtsdirektoren und Bürgermeistern das Thema diskutiert.

Denn bei jeder Kürzung besteht die Gefahr, dass mehr Menschen auf den Individualverkehr umsteigen oder in die Städte umziehen. Je weniger Busse fahren, desto weniger kann der Busverkehr genutzt werden - so die einfache Faustformel.

Nach Ansicht von Bernd Brandenburg verfügt die Uckermark jedoch immer noch über eine gute Situation im ländlichen Raum, vor allem in Bezug auf die Hauptlinien. Im Vergleich zu anderen Kreisen sei die Anbindung ohnehin besser. Der Öffentliche Personennahverkehr könne nie alles erreichen.

Von den Linken ist zu hören, dass die Diskussion den Nahverkehr schlecht rede, sagte Heiko Poppe.

Die Opposition verlangt konkrete Vorschläge für gezielte Korrekturen am Fahrplan. Nach Ansicht von Henryk Wichmann (CDU) ist der jetzige Zustand für ältere Menschen nicht zumutbar. Auch Wichmann pocht auf eine Härtefallprüfung.

Landrat und Vize haben nun beim Kreisausschuss versprochen, die aktuelle Situation noch einmal zu analysieren. "Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass dies ein Prozess ist", bekräftigt Frank Bretsch. Zum März-Kreistag soll nun ein Bericht über die Umsetzung der Sparpläne bekannt gegeben werden.

Außerdem gibt es weitere Gespräche mit Vertretern aus dem besonders betroffenen Gebiet von Lychen und Umgebung. Beschwerden könne man an die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft richten oder aber direkt an den Landkreis Uckermark in Prenzlau.
 

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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