Kneipen und Arbeitsplätze fehlen auf dem Land

11.09.2017 | Potsdam

Die Menschen in ländlichen Regionen Brandenburgs schätzen die Lebensqualität außerhalb der großen Städte. Der öffentliche Nahverkehr, die medizinische Versorgung und das Kulturangebot werden aber oft als unzureichend empfunden, zeigt nun eine Umfrage.
Mehr Arbeitsplätze, mehr Kneipen, mehr Ärzte sowie eine bessere Verkehrsanbindung – das sind die vorrangigen Wünsche der Bewohner in den ländlichen Regionen Brandenburgs in den nächsten Jahren. Zugleich ist eine große Mehrheit von 75 Prozent der Menschen in den Randregionen mit ihrer Lebensqualität zufrieden. Das geht aus der Befragung von mehr als 1000 Menschen außerhalb des „Speckgürtels“ hervor, die die Enquetekommission des Landtags in Auftrag gegeben hatte. 81 Prozent der Befragten gaben an, sich vor Ort wohlzufühlen.
Als unzureichend werden die Leistungen der Daseinsvorsorge – von Kulturangeboten bis zu Einkaufsmöglichkeiten – besonders von Bewohnern in kleinen Gemeinden unter 5000 Einwohnern angesehen. Auf stabiles Internet und Mobilfunk sowie bessere Pflegeangebote für Ältere hofft rund die Hälfte der Befragten. Jeder Zweite würde einem guten Freund den Zuzug in seine Gemeinde empfehlen, nur jeder Achte würde davon abraten.

Der Vorsitzende der Kommission, Wolfgang Roick (SPD), sagte, er sei von einigen Ergebnissen positiv überrascht, es gebe aber noch Schwierigkeiten, derer sich die Politik annehmen werde. Bis Dezember will die Kommission erste Handlungsempfehlungen an die Landesregierung in einem Zwischenbericht vorlegen.
Gering ist das Vertrauen in die Landes- und Kommunalpolitik. Am besten schneidet noch die Gemeinde- und Stadtverwaltung ab. Jeder Dritte hat hier volles Vertrauen. Jeder Fünfte wiederum hat überhaupt kein Vertrauen in die Politik vor Ort. Als unzureichend werden die Mitbestimmungsmöglichkeiten eingeschätzt. Nur jeder Dritte schätzt diese als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Jeder Achte gab an, in den nächsten drei Jahren aus seiner Gemeinde wegzuziehen, darunter häufig Befragte aus Gemeinden unter 10 000 Einwohnern.

Der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann sagte, die Zahlen würden alarmieren. „Wir haben große Baustellen im Land“, sagte Wichmann, der zugleich Ausschuss-Vize ist. Viele Bürger fühlten sich von der Politik verlassen, dies sei ein Beleg dafür, dass es falsch sei, auf größere, anonyme Verwaltungsstrukturen zu setzen, wie es SPD und Linke mit der Kreisreform vorhätten. Deren Vertreter wiesen die Kritik zurück. Danach sei in der Erhebung nicht gefragt worden.

Der Grünen-Abgeordnete Benjamin Raschke betonte, je kleiner die Gemeinde sei, desto größer sei die Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr. Überraschend war für die Linken-Abgeordnete Anke Schwarzenberg die Kritik an fehlenden Kulturangeboten und Treffpunkten wie Kneipen, besonders durch Männer. Der AfD-Abgeordnete Sven Schröder hob hervor, dass in der ländlichen Bevölkerung Unbehagen über die etablierte Politik herrsche.

Für die Umfrage der Info GmbH waren im Juli mehr als 1000 Menschen ab 16 Jahren in Brandenburg telefonisch befragt worden. Ausgewählt wurden Menschen, die außerhalb des „Speckgürtels“ um Berlin wohnten – die Grenze ist der Berliner Autobahnring.

Quelle: Dieser Artikel erschin in der Märkischen Allgemeinen.

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