Flutungspolder verunsichert Landwirte

26.08.2017 | Neuzelle

Das Wetter hat etlichen Landwirten in Branden auch in diesem Jahr nicht unbedingt in die Karten gespielt. Unter anderem durch den Starkregen wurde vieles vernichtet. Wasser könnte auch die Agrargenossenschaft Neuzelle empfindlich treffen - und zwar im Falle einer Oderflut.

"Wir sind für den Hochwasserschutz", beteuerte Heidi Wittgen, stellvertretende Vorsitzende der Agrargenossenschaft Neuzelle, in dieser Woche bei einem agrarpolitischen Stammtisch, zu dem die CDU ins Bauernmuseum eingeladen hatte. Allein durch das letzte Baulos der aktuellen Deichbaumaßnahme zwischen Neuzelle und Eisenhüttenstadt habe die Genossenschaft etwa 20 Hektar Land verloren. "Und was ist, wenn der Fall eintrifft, dass die Flut kommt und die Niederung geflutet wird?" fragt sie in die Runde. Immerhin weiden Tiere auf den Flächen. 1000 Hektar besitzt die Neuzeller Agrargenossenschaft dort, 600 Hektar werden als Grünland genutzt, 400 Hektar sind Acker. Und zwar nicht wenige. "Wir müssen Futtervorräte haben", macht sie auf ein Problem aufmerksam - denn niemand weiß, wie lange das Wasser in der Niederung stehen würde. Wer der Gesellschaft Flächen zur Verfügung stelle, der habe auch einen Entschädigungsanspruch, betonte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes.

Und von noch einem Problem berichtete Heidi Wittgen den Landes- und sogar Bundespolitikern der Christdemokraten an diesem Abend. In der Neuzeller Niederung gebe es keine gute Infrastruktur für die Landwirtschaft. "Wir sehen uns aber nicht in der Lage, da zu investieren." Aufgrund der Deichbaumaßnahme durch das Land sei nun eine Straße gebaut worden - doch anstatt diese zu belassen, werde sie zum Abschluss der Bauarbeiten wieder zurückgebaut. Sowohl das eine als auch das andere kostet letztlich Geld. Darüber schüttelt die stellvertretende Vorsitzende verständnislos mit dem Kopf.

Beim CDU-Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann stieß Heidi Wittgen damit auf offene Ohren. Er meinte, diese Angelegenheit müsse man sich noch einmal im Petitionsausschuss des Landtages anschauen. Heidi Wittgen mahnte an, dass Betroffene im Land viel mehr angehört werden sollten. "Da werden oft Sachen von Nichtfachleuten beschlossen", kritisierte sie - auch mit Blick auf den Tierschutzplan. Der Landtag des Landes Brandenburg hatte die Landesregierung aufgefordert, bis Ende 2017 einen solchen Plan zu erarbeiten - unter Beteiligung verschiedener Akteure. Dieser Plan soll unter anderem ein Maßnahmenprogramm enthalten für die Nutztierhaltung zur Optimierung der Haltungsbedingungen hinsichtlich des Tierwohls, zum Aufbau und zur Reduzierung der Antibiotikaanwendung. Ziel ist die Umsetzung einer EU-Richtlinie.

"Wir wollen raus aus der Verteidigungsrolle, wollen offensiv nach vorn schauen. Der Tierschutzplan kann auch eine Chance sein, mehr Sicherheit in die Arbeit zu bekommen", sagte Henrik Wendorff. Er appellierte beim Stammtisch aber auch an die Landwirte aus den Alt-Bundesländern: "Wir kommen aus den neuen Ländern und haben besondere Strukturen." Hier gebe es nicht nur kleine und große Betriebe, sondern auch Mehrfamilienbetriebe. "Das sollte man mal akzeptieren. Uns gibt es auch." Dieser Fakt spielt offenbar unter anderem bei der Vergabe von Flächen eine Rolle, und ist damit auch die Agrargenossenschaft Neuzelle wichtig. Denn auch die ist ein Mehrfamilienbetrieb.

Nach Angaben von Heidi Wittgen besitzt die Agrargenossenschaft etwa 5500 Hektar Land, die mit etwa 140 Leuten bewirtschaftet werden. Es gebe 800 Milchkühe, aber auch Schweinehaltung und einen großen Kartoffelanbau.

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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