Politiker setzen sich für Kampfhündin ein

01.12.2013 | Schönwalde-Glien

Der Fall der Kampfhündin Tascha hat die landespolitische Ebene erreicht. Während der Linken-Abgeordnete Jürgen Maresch den brandenburgischen Landesvater in der Pflicht sieht, will die CDU-Landtagsfraktion die märkische Hundeverordnung kippen. Der Linken-Politiker hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) aufgefordert, sich einzuschalten. Das American-Staffordshire-Weibchen ist die beste Freundin des schwerkranken zehnjährigen Dylan aus Schönwalde-Glien (Havelland). Weil Taschas Rasse laut Hundeverordnung als gefährlich gilt und es zu einem Vorfall mit einem anderen Hund kam, soll sie Dylan weggenommen werden. Auf den Jungen im Wachkoma wirkt Tascha, die als Welpe in die Familie kam, beruhigend: Kreislauf und Atmung werden nach Angaben von Vater Eckhard Gerzmehle stabiler – teilweise kann sogar auf künstliche Beatmung verzichtet werden.

„Ich bitte den Ministerpräsidenten, sich persönlich hier einzuschalten und eine Ausnahmegenehmigung unverzüglich zu erteilen“, forderte Maresch. Die Christdemokraten sind gegen eine Sonderregelung. Sie verlangen eine generelle Diskussion über die märkische Hundehalterverordnung. „Die Rasse per se als Merkmal für die Gefährlichkeit eines Tieres heranzuziehen, ist problematisch“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann. Zudem sei nicht einzusehen, warum ein Hund wie Tascha in Berlin erlaubt sei und in Brandenburg in ein Tierheim wandern soll.

Dieser Auffassung ist auch Hundeexpertin Christine Prochnow von der Staffordshire Hilfe. „Es wird nur über den Einzelfall diskutiert, dabei steht dieser für eine absurde Gesetzesregelung“, sagte sie. Wichmann forderte, dass die Verordnung dringend verändert werden müsse. „Tascha ist für den Jungen fast wie Medizin“, betonte der CDU-Politiker.

 

Ebenfalls erschien in der Märkischen Allgemeinen ein Artikel zu diesem Thema:

Der Fall des Wachkoma-Patienten Dylan (10) und des Kampfhundes Tascha wühlt Schönwalde auf. Für den 7.Dezember hat der Hundezuchtverband eine Demonstration im Ort angekündigt. Mitglieder aus Berlin und Brandenburg wollen dafür demonstrieren, dass Dylan seinen engsten Gefährten behalten darf. Bei Dylans Eltern Eckhard Gerzmehle und Barbara Herrndorfer klingelt derweil Tag und Nacht das Telefon. „Wir hatten keine Ahnung, was wir da lostreten, wir sind überwältigt“, sagt Gerzmehle: von der Unterstützung und Anteilnahme, die ihnen aus allen Teilen der Welt zuteil wird. Aber auch von Müdigkeit.

Denn die unendlichen Anrufe rauben der Familie den Schlaf. „Ich würde gerne mal wieder sechs Stunden am Stück schlafen, aber es geht nicht. Für Dylan ist das auch zu viel“, sagt Gerzmehle.

Fernsehteams und Reporter gehen bei der Familie ein und aus. Alle sichern ihre Unterstützung zu in dem kuriosen Fall um Dylan, der seit seiner Geburt im Wachkoma liegt, und den American Staffordshire Terrier Tascha. Der ist ein wichtiger Bezugspunkt für das Kind, das ist ärztlich bestätigt. Das Ordnungsamt droht aber weiter damit, den Hund der Familie wegzunehmen. Denn die Haltung der Rasse ist in Brandenburg verboten, und es gab einen Beißvorfall.

Das Innenministerium dämpft die Hoffnungen etwas. „Der Fall ist ungewöhnlich. Es könnte einen Weg geben, aber die Hürden sind hoch“, sagt Sprecher Ingo Decker. Das Schönwalder Ordnungsamt hatte zwar vorgestern angeboten, den Hund als Behindertenbegleithund einzustufen. Das ist aber nicht einfach. „Therapiehunde müssen von geeigneter Stelle ausgebildet worden sein“, sagt Decker. Außerdem müsse ihre Friedfertigkeit gesondert festgestellt werden. Solche Gutachten gibt es für Tascha nicht.

Zuständig sei aber die Gemein de, heißt es aus dem Ministerium. Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme fühlt sich deshalb allein gelassen. Der öffentliche Druck auf ihn ist groß, gestern hat Oehme ei ne erste Morddrohung erhalten und die Polizei eingeschaltet. Die Faktenlage wird auch nicht klarer. „Wir haben heu te eine Zuarbeit von einem Anwalt der Familie bekommen, aber das ist noch nicht das, was wir brauchen. Wir werden uns jetzt mit dem Landkreis abstimmen“, sagt er.

Zumindest was die öffentlichen Angriffe angeht, stärkt das Innenministerium ihm den Rücken: Behörden seien an Recht und Gesetz gebunden. Soll heißen: Auch Bürgermeister Oehme darf sich nicht darüber hinwegsetzen.

Den vollständigen Artikel finden Sie ebenfalls in der Templiner Zeitung im Uckermark Kurier.

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