Oberhavels Tierschutzvereins-Chefin fordert neue Hundehalterverordnung

10.12.2013 Gransee

Ein Ehepaar mit Kindern zieht von Berlin nach Brandenburg. Ihr Pech: Ein Familienmitglied ist ein sogenannter Listenhund, der in der Mark weder gezüchtet noch gehandelt und auch nicht gehalten werden darf.

Brandenburg hat im Gegensatz zu anderen Bundesländern - auch zu Berlin - eine sehr rigide Hundehalterverordnung. "Es gab nach dem Jahr 2000 einige Beißunfälle, und die Politik hat darauf hart reagiert. Aber jetzt haben wir fast 2014, und es ist Zeit, die Verordnung an den Stand der Wissenschaft anzugleichen. Die Rasse eines Hundes darf nicht das ausschlaggebende Kriterium sein", sagt CDU-Landtagsabgeordneter Henryk Wichmann aus dem hiesigen Wahlkreis.

"Man kann aus jedem Hund einen machen, der beißt", ergänzt Ellen Schütze, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Oberhavel. Beide wollen sich dafür einsetzen, dass die Verordnung geändert wird: im Interesse der Hundehalter, der Tiere, aber auch der Tierschützer. Einrichtungen wie das Tierheim in Tornow könnten am Ende sonst die Zeche zahlen. "Wenn die Hunde bei uns landen, können wir sie innerhalb Brandenburgs nicht weitervermitteln. Die Kommunen übernehmen aber nur anfangs die Kosten. Und wenn der Halter sie uns bringt, zahlt er 150 Euro Abgabegebühr, und das war's dann. Wir hatten einen American-Staffordshire-Terrier, den wir aber gottlob im niedersächsischen Helmstedt unterbringen konnten", berichtet Ellen Schütze. Der berühmteste American-Staffordshire-Mischling Brandenburgs ist derzeit Tascha. Weltweit sorgte der Fall um die Hündin, die der beste Freund des Wachkomakindes Dylan ist, für Schlagzeilen. Denn die Familie von Tascha war von Berlin ins brandenburgische Schönwalde gezogen, und deshalb sollte der Hund von Amts wegen abgeschafft werden. "Tascha ist der perfekte aktuelle Anlass, um das Thema jetzt politisch zu diskutieren, denn ich denke, dass meine Kollegen und auch die Verantwortlichen im Innenministerium dafür sensibilisiert sind. Wir haben für den 19. Dezember zu einem Fachgespräch in den neuen Landtag eingeladen, wollen mit Vertretern von Hundehalter-Vereinen, dem Präsidenten der Landestierärztekammer, Tierschützern reden. Wir hoffen stark, dass auch ein Referatsleiter des Innenministeriums kommt", sagt Henryk Wichmann.

Der Fall Tascha könnte zumindest dafür gesorgt haben, dass die Menschen von der Rassezugehörigkeit eines Hundes nicht automatisch auf dessen Gemüt schließen. "Die Hündin hatte zwar einen Artgenossen gebissen, aber das kommt eben mal vor. Zu dem Kind Dylan hat sie ein ganz besonderes Verhältnis, wirkt beruhigend auf den Jungen. Das verwundert mich nicht, denn in den USA beispielsweise werden Staffordshire-Terrier oft als Therapiehunde eingesetzt", so Ellen Schütze. Sie und Henryk Wichmann fordern, dass im Vordergrund aller Überlegungen die Eignung des Hundehalters stehen muss: "Er muss sich Wissen über den Hund, seine Sprache, seine Bedürfnisse aneignen." Und das gilt nicht nur bei den Listenhunden. Aggressiv sein kann auch ein Pudel.

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung.

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