„Ich habe nicht geahnt, in was für ein Wespennest ich damit steche“

13.11.2013 | Templin

Ihnen wird vorgeworfen, in der Debatte um die umstrittene Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“ persönliche und politische Ziele zu vermischen.
Ich bin als Vater von Schulkindern in der Tat aus persönlicher Betroffenheit heraus auf dieses Thema gestoßen. Ich bin aber auch Landtagsabgeordneter und habe als solcher darauf reagiert. Zum Beispiel mit der Kleinen Anfrage an den Landtag im Juni, die zum Ausgangspunkt für die öffentliche Debatte wurde. Schließlich haben wir eine Verantwortung für die Bildungspolitik im Land – und da gehört natürlich dazu, wie unsere Kinder Lesen und schreiben lernen.

In Ihrer Anfrage ging es unter anderem um Aussagen, welche Schulen nach der Methode „Lesen durch Schreiben“ unterrichten, welche Materialien verwendet werden und wie diese Schüler in Vergleichen abschneiden. Welche Erkenntnisse gab es?
Im Juni zunächst die, dass dazu keinerlei Aussagen möglich sind. Mit dem Verweis auf die Methodenfreiheit an den Schulen gab es dazu bisher keine Erhebungen. Das wurde jetzt aber aufgrund des großen politischen Drucks nachgeholt und ich kann das nur begrüßen. An alle 480 Grundschulen im Land wurden inzwischen Fragebögen verschickt, nach welcher Methode und mit welchen Lehrmaterialien unterrichtet wird. Diese Fakten brauchen wir, um Schlussfolgerungen zu ziehen.

Wie ist die Resonanz auf die Diskussion, die zum großen Teil in den überregionalen Medien geführt wurde?
Ich habe nicht geahnt, in was für ein Wespennest ich damit steche. Das gesamte Thema stellt sich als sehr komplex dar und bewegt offensichtlich sehr viele Menschen. Ich selbst und auch die Redaktionen haben sehr viele Zuschriften bekommen: von Schülern, Eltern, Lehrern aus der gesamten Bundesrepublik, die offensichtlich froh sind, dass dieses Thema jetzt auch von der Politik aufgegriffen wird. Die Methode des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen spielt ja in der Bildungslandschaft schon seit über 40 Jahren eine Rolle. Die Auseinandersetzungen damit ist also kein Thema, das sich auf Brandenburg und schon gar nicht auf die Schule in Lychen beschränkt. Dieser Eindruck entstand aber leider.

Die Elternsprecher der Pannwitz-Grundschule haben sich deshalb in einer Resolution gegen Ihre öffentliche Kritik an der Schule und den Lehrern gewandt...
Ich wollte weder Schule noch Lehrer angreifen, das war nicht meine Absicht. Hier ist sicher in der Kommunikation einiges schief gelaufen. Ich bin deshalb froh, dass es inzwischen ein gutes Gespräch mit einer Lehrerin gegeben hat und wir wollen dazu auch weiter konstruktiv im Gespräch bleiben.

Welche Erkenntnisse haben Sie mittlerweile über die Methode „Lesen durch Schreiben“?
Sie ist offensichtlich gut geeignet, dass Kinder schneller als mit der Fibelmethode Lesen lernen. Wenn Kinder aber zunächst so schreiben, wie sie sprechen, bleibt das Problem des Erlernens der korrekten Rechtschreibung. Außerdem ist nachgewiesen, dass es Kinder gibt, die mit dieser Methode gar nicht klarkommen. Hier sind Kompromisse gefragt, etwa indem man an einer Schule beide Möglichkeiten – das Lesen durch Schreiben und die Fibelmethode – anbietet. Das wird an der Grundschule Gerswalde so praktiziert. Ich denke, gerade n den kleineren Orten mit nur noch einer Grundschule ist die Festlegung auf eine Methode problematisch.

Studien sagen, dass sich die Rechtschreibung deutscher Schüler in den letzten jahrzehnten verschlechtert hat. In der gegenwärtigen Debatte entsteht der Eindruck, daran sei vor allem diese umstrittene Methode schuld.
Das ist sicher nicht so, da spielt vieles andere auch eine Rolle – das Medienverhalten und die Gewichtung des Deutschunterrichts in der Stundentafel etwa. Aber die Methode, wie Kindern Lesen und Schreiben beigebracht wird und welche Auswirkungen das hat, spielt dabei auch eine wichtige Rolle. Ich bin dazu auch im Gespräch mit dem Verein zum Erhalt der deutschen Sprache. Denn ich denke, dass dieses Thema mindestens genauso wichtig ist wie das Eintreten gegen zu viel Anglizismen.
 

Den vollständigen Artikel finden Sie ebenfalls in der Templiner Zeitung im Uckermark Kurier.

zurück
Henryk Wichmann | Alle Rechte vorbehalten