Prenzlau (MOZ) Vorschnelles Handeln der Kreisverwaltung im Umgang mit Kindertagesstätten kritisiert der uckermärkische Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Henryk Wichmann (CDU). Der Versuch, die durchschnittliche Personalvergütung, die der Landkreis den Erzieherinnen zahlt, drastisch zu reduzieren, sei unausgegoren.
Der Jugendhilfeausschuss hatte ein entsprechendes Verfahren zur Neuberechnung sofort gestoppt (MOZ berichtete). Nur durch den Aufschrei mehrerer uckermärkischer Kommunen war die drastische Reduzierung der Personalmittel um rund zehn Prozent erst aufgefallen. Der Landkreis hätte dadurch pro Jahr rund 2,2 Millionen Euro eingespart. "Davon ist bisher nie die Rede gewesen", so Henryk Wichmann. "Wir sind früher von höchstens 400 000 Euro ausgegangen."
Inzwischen sind nicht nur die betroffenen Städte und Dörfer schockiert über das Ausmaß - allein Prenzlau müsste fortan 556 000 Euro ausgleichen. Auch die freien Träger schlagen Alarm. Denn wenn der Landkreis die Durchschnittsvergütung für Kita-Personal nach unten korrigiert, müssen alle Betreiber von Einrichtungen das Defizit selbst oder durch Elternbeiträge ausgleichen. Oder sie rütteln an Tarifverträgen.
Die Beigeordneten Frank Fillbrunn (FDP) und Bernd Brandenburg (parteilos) bestreiten die Situation. Man habe nach einer Befragung nur auf die tatsächliche Bezahlung der Erzieherinnen reagiert. Demnach würde der Kreis zu viel Geld überweisen, das gar nicht bei den Betroffenen ankommt. Dies sei besonders bei kommunalen Einrichtungen der Fall.
Darauf reagiert Henryk Wichmann mit Skepsis. Denn die neue Berechnungsgrundlage ist schon formal höchst fragwürdig. Sie wurde erst Ende Dezember in der Kreisverwaltung festgelegt und sollte jetzt rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten. Und das ohne Diskussion in Ausschüssen und im Kreistag.
"Wenn man etwas ändern will, dann muss man es schrittweise tun", so Wichmann. Er hat jetzt die Betreiber großer Kita-Einrichtungen aus der gesamten Uckermark zu einem Krisengespräch eingeladen. Dabei soll geklärt werden, wie die jetzt vorliegenden Zahlen und Daten zustande kamen und wie die tatsächliche Situation bei den Betroffenen aussieht.
Quelle: Dieser Artikel erschien am 20. Januar in der Märkischen Oderzeitung. Hier gelangen Sie auf die Homepage.