Presse 2012

Furcht vor Streichung von Personalkosten

16.02.2012 | Prenzlau

Im Streit um die Neuberechnung der Kita-Personalkosten in der Uckermark deutet sich immer noch keine Lösung an. Nach einer Krisensitzung mit freien Trägern von Kindereinrichtungen fürchtet der Chef des Jugendhilfeausschusses Henryk Wichmann um deren Existenz.

"Wir müssen aufpassen, dass wir mit einer Neuberechnung der Personalkosten nicht einige Träger zum Aufgeben zwingen, weil sie dann die Gehälter nicht mehr bezahlen können", so die große Angst von Henryk Wichmann. "Das fällt uns als Landkreis ganz kräftig auf die Füße."

Tatsächlich haben große Einrichtungen wie das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk, die Volkssolidarität oder die Lebenshilfe mit einem Aufschrei auf die Pläne des Landkreises reagiert. Der wollte rückwirkend zum ersten Januar die Durchschnittsvergütung für das Kita-Personal um zehn Prozent kürzen. Begründung: Der Kreis zahle an einige Kommunen oder Träger jetzt schon zu viel Geld, das bei den Angestellten gar nicht ankäme.

Das weisen viele freie Einrichtungen von sich. Ihr Dilemma: Wenn ihnen der Landkreis die Gelder kürzt, müssten sie den möglicherweise entstehenden Fehlbetrag von der jeweiligen Kommune ausgleichen lassen. Doch Städte und Gemeinden werden sich hüten, weil ihnen selbst das Geld fehlt. Gerade Schwedt und Prenzlau betreiben eigenständige Tagesstätten mit hoher Kapazität. Beide Kommunen würden bei der Neuberechnung enorme Zuschüsse zahlen müssen. In Prenzlau sollen es 550 000 Euro mehr sein.

Nachdem der Jugendhilfeausschuss die rückwirkende Berechnung gestoppt hat, soll die Kreisverwaltung nun eine Lösung des Problems finden. "Den Stein des Weisen haben wir aber noch nicht gefunden", so Henryk Wichmann nach der Krisensitzung. Er hatte vor allem die Art und Weise der Neuregelung stark kritisiert. "Uns liegen überhaupt keine Daten vor. Wir können nicht sagen, welcher Träger weniger bekommt und wer am Ende der Verlierer ist."

Für die Berechnung der Personalkosten, die der Landkreis in Höhe von 84 Prozent an alle Kindereinrichtungen überweist, werden nicht die tatsächlichen Summen herangezogen. Stattdessen bezieht sich die Durchschnittsvergütung auf eine sogenannte Mustererzieherin - also eine Pauschale. Bisher ging der Kreis bei voller Beschäftigung und Tariflohn von rund 46 000 Euro Personalkosten pro Person (einschließlich Arbeitgeberanteil) aus. Jetzt sollte sich dieser Betrag auf 41 000 Euro reduzieren.

Reicht das bei einzelnen Einrichtungen nicht aus, müssten die Elternbeiträge steigen. "Das wollen wir aber nicht", so Sieglinde Knudsen von der IG Frauen Prenzlau, die in der Kreisstadt eigene Kitas betreibt. Für eine gemeinsame Lösung mit den Kommunen plädiert Sigrid Jordan-Nimsch vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk. Denn offenbar verursachen gerade kommunale Tagesstätten die höchsten Personalkosten. "Die aber können sich ihren Fehlbedarf bei den Städten und Gemeinden zurückholen", so Henryk Wichmann. "Das ist für freie Träger, die für die öffentliche Hand wesentlich günstiger sind, deutlich schwerer." Am Ende könnten gerade die Vereinskitas oder kleinere Einrichtungen zum Spielball von Kreis und Kommunen werden. Das will der Jugendhilfeausschuss auf jeden Fall verhindern.

 

Quelle: Dieser Artikel erschien in der Märkischen Oderzeitung. Hier gelangen Sie zur Homepage.


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