Presse 2012

Ein Kümmerer als Hauptdarsteller

14.02.2012 | Berlin

Das Publikum im restlos besetzten Kino International war am Sonntag bei der Premiere begeistert. Der Regisseur Andreas Dresen, mit dem Frankfurt (Oder)-Epos „Halbe Treppe“ bekannt geworden, hat wieder ein Werk abgeliefert, das den Menschen die Zustände in Brandenburg nahebringt.

Und viel Applaus gab es auch für seinen Hauptdarsteller, den CDU-Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann aus der Uckermark.

Als die Lichter wieder angingen und das Publikum sein Urteil abgeben sollte, meldete sich eine Frau, die angeblich noch nie CDU gewählt hat. Und dann redete sie enthusiastisch über Wichmann und seine Art, Politik zu machen.

Der Abgeordnete, vor allem aber Dresen mit seinem Film sind tatsächlich ein gelungenes Mittel gegen die Politikverdrossenheit. Denn es erfreut, wie da Wichmann durch seinen Wahlkreis tourt, sich des Streits um die Schutzräume für den Schreiadler, der Züge, die am Bahnhof Vogelsang anhalten, ohne die Türen zu öffnen, oder einer wilden Mülldeponie annimmt. Da ist einer, der nimmt seinen Job ernst und die Menschen, die ihm begegnen auch.

So viel Kümmerei, das muss jeder Zuschauer gut finden. Aus dem Politiker wird der Mensch Henryk, der seine Kinder liebevoll umsorgt, beim Seniorentreff genau so geduldig zuhört wie in einer Schulklasse und vor allem wie jeder andere verzweifelt am Erfindungsreichtum von regelbesessenen Bürokraten. Der Mann ist ganz unverkennbar vor Ort in der Uckermark.

Was dabei zu kurz, viel zu kurz kommt, deutet Dresen in den Gesprächen nach der Uraufführung nur an. Er hat den Abgeordneten ja nicht nur auf den Straßen seines Wahlkreises, sondern auch im Landtag in Potsdam mit der Kamera begleitet. Das sei in diesem Parlament, so der Filmemacher, alles ja viel komplizierter und komplexer, als man es sich gemeinhin vorstelle. Von dem Alltag dort, bei dem es in den Ausschüssen des Landesparlaments um Gesetze und die Kontrolle einer Regierung geht, ist fast alles weggefallen beim Filmschnitt.

Der Regisseur, der sich so gerne denen zuwendet, die im Leben scheitern, hat diesmal einen Streifen auf die Leinwand gebracht, der erst bei langem Nachdenken erkennbar macht, dass diese schöne Geschichte vom Abgeordneten Wichmann so nicht enden darf. Er selbst hat dies allerdings gut verstanden. Und so sagt er auf der Party danach, es könne ja vielleicht eine Fortsetzung geben – mit Wichmann und dem Schloss Bellevue. Eine Einladung vom jetzigen Schlossinhaber hat er verstreichen lassen. Christian Wulff und Henryk Wichmann passen einfach nicht zusammen.

 

Quelle: Diesen Artikel finden Sie ebenfalls auf der Homepage der Lausitzer Rundschau. Hier gelangen Sie zu dem Artikel.


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