Presse 2012

„Dass die Kamera dabei war, habe ich ausgeblendet“

10.02.2012 | Uckermark Kurier

„Herrn Wichmann von der CDU“ hat der renommierte Regisseur Andreas Dresen den Besuchern der Berlinale 2003 vorgestellt. Jetzt können sie „Herrn Wichmann aus der dritten Reihe“ kennenlernen. Es gibt einen neuen Dokumentarfilm über den 34-jährigen uckermärkischen Landtagsabgeordneten.

 

Zwei Tage noch, dann ist Henryk Wichmann wieder im Kino, im doppelten Sinne. Nicht nur, dass der uckermärkische Landtagsabgeordnete im Berliner Kino International als Zuschauer sitzen wird. Er ist auch Hauptfigur eines Streifens, der im Rahmen der Berlinale läuft. „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ heißt der neue Dokumentarfilm des renommierten Regisseurs Andreas Dresen.

 

Beide kennen sich. Vor zehn Jahren hat Dresen den heute 34-Jährigen mit der Kamera während seines damaligen Wahlkampfes für den Bundestag begleitet. Jetzt geht es um dessen Arbeit als Landtagsabgeordneter der Opposition in Potsdam. Auf unterhaltsame Weise soll demonstriert werden, wie Politik funktioniert. Dabei spiele auch der Zustand der Demokratie eine Rolle, hatte Andreas Dresen in den Medien über das Anliegen der Fortsetzung geäußert.

 

„Man sieht, wie vielfältig die Arbeit eines Landtagsabgeordneten ist.“

 

Henryk Wichmann kennt den Film schon, seine Frau noch nicht. Für sie wird die Vorstellung am kommenden Sonntag eine Premiere sein. Der Hauptakteur ist zufrieden mit dem Material, das innerhalb eines Jahres mit der Kamera eingefangen und von Andreas Dresen für diesen Film ausgewählt wurde. „Man sieht darin, wie vielfältig die Arbeit eines Landtagsabgeordneten ist.“

 

Beispielsweise sich dafür einzusetzen, dass sich die Türen zum Ein- und Ausstieg für Fahrgäste der Regionalbahn RB 12 am Bahnhof Vogelsang wieder stündlich öffnen. Dafür hatten Wichmann und der Verkehrsexperte seiner Partei getestet, wie es sich anfühlt, im Zug „eingesperrt“ zu sein. Über das als Schildbürgerstreich anmutende Vorgehen der Bahn habe Andreas Dresen nur den Kopf geschüttelt, erinnert sich der Uckermärker. Der politische Druck führte in diesem Fall zum Erfolg.

 

"Ich bin kein Schauspieler. Ich habe einfach meine Arbeit gemacht."

 

„Das ist nicht immer so. Deshalb ist dieser Film ganz anders als der erste, in dem sich alles ausschließlich um den Wahlkampf drehte. Aus meiner Sicht wird der neue Streifen dazu beitragen, das Bild von Politikern in der Öffentlichkeit wieder zurechtzurücken. Dabei handelt es sich eben nicht um Leute, die wenig arbeiten und viel Geld verdienen, wie manche meinen“, sagt Henryk Wichmann.

 

Gestört hat ihn übrigens nicht, diesmal über so einen langen Zeitraum von der Kamera begleitet zu werden. „Ich hatte schließlich länger Zeit, um mir zu überlegen, ob ich das machen möchte. Als die Dreharbeiten dann begannen, konnte ich die Anwesenheit des Filmteams schnell ausblenden. Ich bin kein Schauspieler. Ich habe einfach meine Arbeit gemacht und die Kamera war eben dabei.“

 

Ganz bewusst bestand der dreifache Familienvater darauf, dass seine Privatsphäre in dem Film außen vor bleibt. Bei der Entscheidung darüber, was letztendlich ausgestrahlt wird, hatte Wichmann ein Mitspracherecht.

 

Vor zehn Jahren in Prenzlau haben sie sich erstmals getroffen

 

Noch gut kann sich der 34-Jährige an seine erste Begegnung mit Andreas Dresen vor zehn Jahren erinnern. „In Prenzlau haben wir uns das erste Mal getroffen. Er fragte mich, ob er mit mir einen Film machen könne, der nachts im Fernsehen laufen soll. Ich habe zugesagt, ohne überhaupt zu wissen, wer da mit mir Kontakt aufgenommen hatte. Erst später, als ich eine Einladung zur Premiere seines Films ,Halbe Treppe‘ erhielt, wurde mir klar, was für ein ausgezeichneter Regisseur er ist“, erzählt der Politiker, der in Lychen wohnt.

 

„Herr Wichmann von der CDU“ – der Titel des ersten Dresen-Films ist inzwischen fast ein geflügeltes Wort geworden. „Die Reaktionen, die mich nach der Ausstrahlung erreichten, waren durchweg positiv, auch aus anderen Parteien. Ich selbst empfand den Streifen als sehr ausgewogen und wusste also, worauf ich mich bei einer Fortsetzung einlasse. Und auch darin geht es nicht um Enthüllungen, niemand wird bloß gestellt“, resümiert Henryk Wichmann.
 

Den vollständigen Artikel finden Sie ebenfalls in der Templiner Zeitung im Uckermark Kurier.

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