Presse 2011

PODIUMSGESPRÄCH: Der Wald im Fokus

09.04.2011 | Märkische Allgemeine

Fachleute und interessierte Zuhörer diskutierten im Forstmuseum Fürstenberg

FÜRSTENBERG - Den ersten Beifall des Abends bekam Martin Schmitt-Beaucamp. Im Privatbereich wäre es undenkbar, dass man etwas Funktionierendes zerschlägt, sagte er und meinte damit die sich in einer Reformphase befindende Landesforstverwaltung. Der Mann ist nicht nur Gründer der Naturschutzstiftung „Wälder von Morgen“, sondern auch Privatwaldbesitzer, also forstwirtschaftlicher Unternehmer. Leider habe sich ein Großteil der Bevölkerung vom Wald entfremdet, deshalb habe es keinen Aufschrei gegen die Forstreform gegeben, so seine These. Für die hiesige Region treffe das aber nicht zu, machten etliche Besucher des Podiumsgesprächs zum Thema „Hat der Brandenburger Wald eine Zukunft?“ am Donnerstagabend im Brandenburgischen Forstmuseum Fürstenberg deutlich. Es sei nur erinnert an die vielen Unterschriften, die die Vertreter der Bürgerinitiative „Brandenburger Wald“ gesammelt haben.

Allerdings sind es immer die selben Gesichter, die im Forstmuseum zu sehen sind, wenn es um derlei Themen geht. Und ihr Altersdurchschnitt dürfte nicht unter 60 Jahren liegen. Bis auf Olaf Bechert war kein Fürstenberger Stadtverordneter anwesend. Dabei war das Podium hochkarätig besetzt: Neben Schmitt-Beaucamp diskutierten der Leiter des Referats Forst im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, Carsten Leßner, die beiden Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann (CDU) und Torsten Krause (Die Linke) sowie der Menzer Noch-Oberförster Hagen Mikuszeit, der wegen der Forstreform zur Serviceeinheit Templin wechseln wird. Lars Boge vom Trägerverein des Forstmuseums moderierte und brachte System in den Ablauf.

Zunächst ging es darum, wie innerhalb der verschiedenen Eigentumsformen die Waldfunktionen gesichert werden können. Für Hagen Mikuszeit sind die wichtigsten Voraussetzungen gut ausgebildete, motivierte Forstleute, die den Wald lieben. Und gerade die Motivation leide unter der Forstreform. Henryk Wichmann glaubt nicht, dass die in allen Details so umgesetzt wird wie geplant. Für besonders fatal hält er die Trennung von Wirtschaft und Hoheit.

Carsten Leßner führte als Kernelement der Zukunftsfähigkeit die nachhaltige Bewirtschaftung an, unter der mehr zu verstehen sei als der Mengenaspekt. Es gehe dabei auch um Artenschutz und -vielfalt, Klimaschutz und soziale Belange. Torsten Krause, der zugab, in Sachen Wald ein Laie zu sein, setzt auf mehr Artenvielfalt, hat aber keine Angst um die Zukunft des Waldes. Ganz theoretisch sieht Hagen Mikuszeit das anders: „Die Menschen würden es schon schaffen, den Wald zu vernichten, deshalb ist wichtig, dass die Bevölkerung darauf Acht gibt, was im Wald passiert.“

Das war eine ideale Überleitung zu dem, was die Menschen in der Region bewegt: die Form der Bewirtschaftung. Alt-Förster Peter Keibel hat sich am Donnerstag auf dem Weg von Zehdenick nach Fürstenberg die Wälder links und rechts der B 96 angesehen und eine Gänsehaut bekommen: „Wie sieht der Wald bloß aus?!“ Olaf Bechert, als Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Regio-Nord auch für den Tourismus zuständig, erinnerte an die Erholungsfunktion des Waldes. Er sieht die touristischen Potenziale des Waldes derzeit etwas gefährdet: „Was die Leute stört, ist nicht der Holzeinschlag an sich, sondern wie es danach im Wald aussieht.“ Horst Ilski aus Bredereiche bemerkt immer mehr lichte Stellen im Wald, vermisst aber die Aufforstung.

Den Schlusspunkt setzte das Thema Waldpädagogik. „Wir könnten viel mehr, wenn wir besser gefördert würden“, bat Monika Herzog vom Verein für Forst-, Regionalgeschichte und Umweltbildung (Träger des Forstmuseums) um Unterstützung. Isa Mösenthin vom Verein beschrieb das Verhältnis zur Drei-Seen-Grundschule Fürstenberg als nicht ganz störungsfrei. „Wir müssen als Forstmuseum oft das auffangen, was die Schule nicht leistet.“ (Von Anke Dworek)

Dieser Artikel ist am 09.04.2011 in der "Märkische Allgemeine" erschienen.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12057790/61129/Fachleute-und-interessierte-Zuhoerer-diskutierten-im-Forstmuseum-Fuerstenberg.html


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