Presse 2011

"Nicht mehr länger für 25 Cent pro Stunde"

01.09.2011 |Templiner Zeitung von Claudia Marsal

Als Tom (Name geändert) in die Familie von Annette Liermann kam, war der Teenager gerade zwei Jahre alt. "Der Kreis bezahlte damals die Erstausstattung für das Kind. Aber das war's auch schon", denkt die Pflegemutter des 13-Jährigen zurück. Seitdem beziehe sie zwar Pflegegeld für den Jungen - "runtergerechnet sind das lächerliche 25 Cent pro Stunde" -, doch bei allen übrigen Aufwendungen stehe sie allein da. "Er wünscht sich jetzt beispielsweise ein Jugendzimmer, möchte endlich mal eine schicke Couch. Aber wovon soll ich das bezahlen?", fragt sich die 46-Jährige.

Das große Glück des Jungen sei, dass ihre ganze Familie ihn wie ein leibliches Kind behandele. "Zu Weihnachten beispielsweise bekommt er genauso viel wie unsere eigenen drei Kinder, nicht nur von uns Pflegeeltern, sondern auch allen unseren Verwandten. Ich glaube, der Staat baut darauf, dass einem die Pflegekinder so ans Herz wachsen, dass man gar nicht anders kann, als für sie ständig aus der eigenen Tasche dazuzubuttern", setzt sie nachdenklich hinzu. Doch mit ihrem 400-Euro-Job bei Kaufland und dem Verdienst ihres Mannes seien bei insgesamt vier Kindern in der Familie verständlicherweise keine großen Sprünge zu machen. "Ich bin ja schon froh, dass mein Arbeitgeber so verständnisvoll ist und mir bei den Diensten entgegenkommt, wenn es gerade mal wieder einen Pflegekind-Notfall gibt", setzt sie dankbar hinzu.

Sie erwarte deshalb aber auch, dass sich der Kreis seiner Verantwortung für die Pflegekinder bewusst werde und die Vergütungssätze in der Vollzeit- und Bereitschaftspflege endlich auf ein angemessenes Nivau anhebe, andere Landkreise hätten das längst vorgemacht. Pflegevater Hans Schreck aus Lychen wusste bei jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses in dieser Woche, in der die Vorlage überraschenderweise wieder nicht auf die Tagesordnung kam, zu berichten, dass er in der Uckermark für sein 13-jähriges Pflegekind 100 Euro weniger bekomme als in Nordrhein-Westfalen, wo er vorher lebte. "Selbst beim Weihnachtsgeld gibt es Unterschiede. Der Landkreis Uckermark überweist 30 Euro pro Kind, in Nordrhein-Westfalen waren es 70."

"Da muss sich doch niemand wundern, wenn keiner mehr diese verantwortungsvolle Betreuungsaufgabe übernehmen will", pflichteten ihm die Bereitschaftspflegerinnen Ines Soyeaux, Margitta Rüggebrecht und Gennrita Wyrwa bei. Sie hätten, so Soyeaux, wirklich gehofft, dass sich die Abgeordneten diesmal der Sache annehmen würden, "doch wir wurden wieder enttäuscht". Der Ausschussvorsitzende Henryk Wichmann räumte ein, dass die Vergütungssätze bereits auf der letzten Sitzung behandelt werden sollten, "weil es unser Anliegen ist, diese wichtige Arbeit so zu honorieren, dass sie die Pflegeeltern auch weiter leisten können und jedes Kind gut untergebracht wird". Es habe dann aber noch zu viele offene Fragen gegeben. "Und es wäre auch nicht sinnvoll, das im Vorgriff auf den nächsten Haushalt zu behandeln." Somit habe man sich entschlossen, das Thema in die Oktobersitzung zu verschieben. "Wir werden wieder da sein", versicherten die zahlreich erschienenen Pflegeeltern, "unser Maß ist voll".

Dieser Artikel erschien am 01.09.2011 im Uckermark Kurier in der Lokalausgabe Templiner Zeitung.

Quelle: http://www.nordkurier.de/lokal.php?objekt=nk.lokales.templin


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