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Kinder in Not finden hier Wärme

10.01.2012 | Uckermark Kurier

Der Kampf um die Erhöhung der finanziellen Hilfen für Pflegefamilien lohnt sich. Ines Soyeaux und die beiden anderen Bereitschaftspflegerinnen freuen sich über die Anerkennung ihres ehrenamtlichen Engegaments um Kinder und Jugendliche, die zeitweise aus dem Elternhaus genommen werden müssen.

Aus fiskalischer Sicht sind zehn Jahre eine lange Zeit. Jahre, in denen nicht nur Lebenshaltungskosten nach oben schießen, sondern sich die Teuerungsrate in allen Wirtschaftszweigen bemerkbar macht. Das bekamen in der Uckermark auch die rund 40 Familien zu spüren, die Kinder und Jugendliche in Pflege nehmen, wenn die aus triftigen Gründen aus ihren Elternhäusern genommen werden müssen.

Beispielweise basierten 2011 die finanziellen Hilfen für Pflegeeltern noch auf Versorgungssätzen, deren Berechnungen von 1997 stammten. Zur großen Erleichterung von Ines Soyeaux ist das nun seit dem 1. Januar dieses Jahres anders. Der Kreistag hatte auf seiner Dezembersitzung 2011 in einer neuen Richtlinie die Zuwendungen für die Pflegefamilien aufgestockt.

Die Blankenburgerin ist eine von drei Bereitschaftspflegerinnen. Mit ihr bieten nur noch Margitta Rüggebrecht, die auch in Blankenburg lebt, und Gennrita Wyrwa aus Mittenwalde diesen „Service“ für das uckermärkische Jugendamt an. Das heißt, die Frauen stehen Tag und Nacht, rund um die Uhr bereit, ein Mädchen oder einen Jungen in Not aufzunehmen, ihm eine Heimstatt auf Zeit zu geben. Das soll nach den gesetzlichen Festlegungen nicht länger als sechs Wochen andauern; oft genug ist es aber auch anders. Übers Jahr 2011 zum Beispiel nahm Ines Soyeaux sieben Kinder auf, die wie selbstverständlich in die Familie integriert wurden. Zu der gehört auch der Eurasier-Rüde Titus. Sonst ein guter Bewacher des Hauses, behandelt er alle Familienmitglieder gleich zutraulich.

So erhalten vom Baby bis zum Neunjährigen die „Pfleglinge“ bei Soyeauxs nicht nur ein Bett und Essen, sondern auch liebevolle Zuwendung und geregelten Alltag.

Oft genug sind die Kinder verstört, müssen mit sich und der Welt ins Reine kommen, berichtet die Blankenburgerin. Neben dem persönlichen Engagement, bei dem die ganze Familie mitziehen muss, sind aber auch Ausgaben notwendig, die bisher nur ungenügend vergolten wurden. Zum Beispiel die Fahrten zu den Vorsorgeuntersuchungen innerhalb des Landkreises müssen aus der eigenen Tasche getragen werden. Nicht dagegen die außerhalb der Uckermark…

Vermutlich wäre das bis heute unverändert, wenn sich die drei Bereitschaftspflegerinnen im Mai nicht ein Herz gefasst und lautstark zu Wort gemeldet hätten. Sie traten im Jugendhilfeausschuss des Kreistages ebenso mutig auf wie im Uckermark Kurier. Doch im Herbst erlebten sie eine herbe Enttäuschung, weil der Ausschuss ihr Anliegen verschoben hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten Henryk Wichmann (CDU), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, und die Kreisverwaltungsspitze aber schon eine Verbesserung der Situation versprochen.

Als der Kreistag am 6. Dezember dann der neuen Richtlinie einstimmig zustimmte, „plumpste uns ein Stein vom Herzen“, erinnert sich Ines Soyeaux. „Denn wir wollten gar nicht darüber nachdenken, was anderenfalls passiert wäre.“ Jede von ihnen hängt zu sehr an diesem aufopferungsvollen Ehrenamt. Keine würde es freiwillig abgeben wollen.

Nun sind nicht nur die monatlichen Kosten für den Sachaufwand sowie die Pflege und Erziehung, sondern auch das Bereitstellungsgeld erhöht worden. Letzteres wertet Ines Soyeaux auch als Anerkennung des Engagements jeder Bereitschaftspflegefamilie. „Denn in der Praxis kann kaum einer nachvollziehen, was es bedeutet, wenn man nachts aus dem Bett geholt wird oder die Polizei vor der Tür steht und ein Kind bringt.“

Froh, den Kampf nicht umsonst geführt zu haben, bedankt sie sich im Namen aller Pflegeeltern „bei jedem, der uns dabei den Rücken gestärkt hat“. „Ihre“ sieben Kinder aus dem Vorjahr sind inzwischen wieder bei den Eltern oder haben eine neue Heimat in einer Pflegefamilie gefunden. Das Zimmer im Hause Soyeaux steht bereit für das nächste Kind, das besondere Herzenswärme braucht.
 

Den vollständigen Artikel finden Sie ebenfalls in der Templiner Zeitung im Uckermark Kurier.

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